Wasser für Schwalbach
Durch Cholera- und Typhusepidemien getrieben, forderten Ärzte im 19. Jahrhundert wegen der schlechten Brunnenwasserqualität eine saubere, zentrale Wasserversorgung. Hamburg war die erste deutsche Großstadt, die 1849 ein Wasserwerk in Betrieb nahm. Hier wurde das Elbwasser jedoch zuerst nur gelagert. Man beschloss zwar schließlich, das Wasser auch zu filtern, allerdings zu spät. 1892 raffte die Cholera in Hamburg 8.600 Menschen dahin. Das Filterwerk ging 1893 an den Start. Ende des 19. Jahrhunderts hatte ca. die Hälfte der deutschen Großstädte eine zentrale Wasserversorgung. Für viele kleinere Gemeinden dauerte es teilweise bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, bis Frischwasserleitungen ins Haus kamen.
Anders in Schwalbach: Mit gerade einmal 1.320 Einwohnern, die 1910 in Schwalbach lebten, entschloss sich das Dorf am Rand des Taunus, sich nicht nur der finanziellen Herausforderung zu stellen und eine leitungsbasierte Wasserversorgung mit frischem Quellwasser zu installieren, sondern auch gleich eine Abwasserkanalisation mitzubauen. Eine infrastrukturelle Mammutaufgabe für eine kleine Gemeinde. Zwischen 1910 und 1912 wurden die drei wesentlichen Bauabschnitte der Wasserversorgung in Schwalbach umgesetzt.
Zum Tag des offenen Denkmals veranstaltet das Stadtarchiv einen historischen Spaziergang, der die drei Bauabschnitte der damaligen kommunalen Wasserwirtschaft vorstellt: das Pumpwerk am Brater, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, die Fischwasserquelle am Waldbach auf Höhe der Albert-Einstein-Schule und letztlich den Hochbehälter im Wald über der Limesstadt.
Dabei erörtern wir nicht nur die Funktionsweise des damaligenFrischwasserversorgungssystems, sondern stellen auch viel Wissenswertes zum Thema Wassermanagement und Trinkwassererzeugung und -aufbereitung vor - Fakten, die
besonders in Zeiten von Dürre und Wasserknappheit wieder in den Blickpunkt rücken.
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Infos zur Veranstaltung:
Der Spaziergang startet am Brater an der Alten Schule, hält kurz am Standort des ehemaligen Pumpwerks und führt weiter zum Waldbach an der Albert-Einstein-Schule. Weiter geht es durch den Europapark in den Wald zum alten Wasserwerk in der Nähe der Kronthaler Straße.
Die meist gemächlich ansteigende Wegstrecke erfordert rund eine Stunde Gehzeit für den einfachen Weg. Zu festem Schuhwerk wird geraten.