Neustart nach fünf Jahren: Schwalbacher Ausländerbeirat konstituiert sich neu
Mit seiner konstituierenden Sitzung am 21. April 2026 hat der neu gewählte Ausländerbeirat der Stadt Schwalbach am Taunus offiziell seine Arbeit aufgenommen. Die Sitzung fand um 19:30 Uhr in Raum 4 des Bürgerhauses statt. Als Vorsitzende wurde Robina Noori gewählt, als stellvertretender Vorsitzender Tunay Yekdar.
Der Ausländerbeirat ist die demokratische Vertretung der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Schwalbach am Taunus. Er wird direkt von den ausländischen Einwohnerinnen und Einwohnern gewählt und ist mit Rechten und Befugnissen in der Hessischen Kommunalverfassung verankert. Das Gremium stärkt die politische Teilhabe der Schwalbacherinnen und Schwalbachern mit Migrationsgeschichte. Er setzt sich für Integration, Chancengleichheit und ein respektvolles Zusammenleben ein und kämpft gegen Ungleichbehandlung und Diskriminierung. Er vertritt die Anliegen der ausländischen Bevölkerung gegenüber Verwaltung, Stadtverordnetenversammlung und Magistrat und wirkt bei wichtigen kommunalpolitischen Entscheidungen mit.
In der letzten Wahlperiode konnte kein Ausländerbeirat gebildet werden; eine Integrationskommission wurde übergangsweise einberufen. Umso mehr freut sich Bürgermeister Immisch, dass nun wieder ein gewähltes Gremium seine Arbeit aufnimmt. In seiner kurzen Eröffnungsrede zur konstituierenden Sitzung dankte er den Kandidatinnen und Kandidaten der interkulturellen Liste Schwalbach (iKLS) dafür, dass sie sich zur Wahl gestellt und das Amt angenommen haben. Dies stehe für eine offene Stadtgesellschaft, in der Vielfalt gelebt und gestaltet wird.
369 Schwalbacherinnen und Schwalbacher ohne deutschen Pass machten bei der Wahl am 15. März 2026 von ihrem Stimmrecht Gebrauch – bei 3.499 Wahlberechtigten entspricht das einer Beteiligung von 10,55 Prozent. 2015 lag diese noch bei 7,8 Prozent; damals gaben 193 von 2.465 Berechtigten ihre Stimme ab. Die Zahl der abgegebenen Stimmen hat sich damit nahezu verdoppelt. Auch die Wählerbasis ist mit einem Plus von 42% stark gewachsen. Dass trotzdem fast doppelt so viele Stimmen abgegeben wurden, spricht von einer gewissen Mobilisierung.
Der Vorstand der agah (Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen) bekräftigt die demokratische Grundlage des Gremiums jenseits der Wahlbeteiligung. Nicht die Wahlbeteiligung allein sei der Maßstab für die Vertretungslegitimation des Beirats. Entscheidend sei vielmehr, dass ein erheblicher Teil der volljährigen Bevölkerung in Deutschland vom aktiven Wahlrecht bei Kommunal- und Bezirksparlamentswahlen ausgeschlossen sei. Genau für diese Menschen, die ohne deutschen Pass in Schwalbach leben, arbeiten und aktiv an der Stadtgesellschaft teilnehmen, schaffe der Beirat einen Weg zur politischen Teilhabe.
Die neu gewählte Vorsitzende Frau Robina Noori blickt zuversichtlich auf die kommenden fünf Jahre. Für sie hat die Aufgabe zusätzlich eine persönliche Bedeutung. Dass sie als Frau diese verantwortungsvolle Position übernimmt, sieht sie als wichtiges Zeichen. Auch Frauen mit Migrationsgeschichte stehen diese Räume offen und sie können sie aktiv mitgestalten. Die Schwalbacherin kam vor über zehn Jahren als Jugendliche aus Afghanistan. Auch der stellvertretende Vorsitzende Tunay Jekdar ist tief in Schwalbach verwurzelt. In Schwalbach aufgewachsen, mit familiärem Hintergrund in der Türkei, ist die Stadt seit 15 Jahren, fast drei Viertel seines Lebens, seine Heimat. Als ehemaliges Mitglied des Kinderparlaments und angehender Abiturient freut er sich nun für die ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger einzustehen. Ihre Geschichten stehen für das, was eine vielfältige Stadtgesellschaft ausmacht. Sie erzählen von Menschen, die ankommen oder hier geboren werden und in erster, zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben, Wurzeln schlagen und die Gesellschaft, in der sie leben, aktiv mitgestalten.