Isabelle Masson leitet den monatlichen Französisch-Stammtisch

Veröffentlicht am: 20.01.2020
Autor: Praktikantin
„Frankreich nicht verloren und Deutschland gewonnen“

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Isabelle Masson lebt als französische Bürgerin seit 25 Jahren in Schwalbach am Taunus. Im Laufe des Jahres 2018 hat sie die Leitung des Französisch-Stammtisch im FrauenTreff übernommen. Dieser findet einmal im Monat statt, immer am dritten Mittwoch um 19:30 Uhr. Dazu sind weitere Teilnehmerinnen willkommen! Information zum Französisch-Stammtisch sind im Faltblatt „Frauen Treff“ der Stadt Schwalbach am Taunus zu finden oder unter www.schwalbach.de /Freizeit & Kultur/FrauenTreff.

Isabelle Masson war als ausgebildete Gastronomin berufstätig und begleitete ihren Ehemann, der hier eine Arbeitsstelle angenommen hatte, nach Deutschland. Das Ehepaar hatte sich diesen Aufenthalt zunächst für ein paar Jahre vorgestellt. Doch Im Leben läuft es oftmals anders, als gedacht! Zwei Mädchen kamen 1997 und 2003 zu Welt, und änderten für Isabelle Masson Prioritäten und Lebensmittelpunkt. Im Kindergarten lernte sie andere Eltern kennen. Sie nahm aktiver am Leben ihrer Stadt teil, und besuchte zum Beispiel die TAIFU-Kampfkunst-Akademie. Damit wurde ihr Wunsch, hier zu bleiben, deutlicher, während sich der Ehemann für einen weiteren Karriereschritt in den USA entschied.

Mit der Entscheidung für Deutschland nahm sich Isabelle Masson vor, den Einbürgerungs-Test (auch B1 Sprach-Test) zu absolvieren, um ihr eigenes „Integrations- Gefühl“ zu verstärken. Sie bekam damit die doppelte deutsch–französisch Staatsangehörigkeit. Währenddessen bekam sie regelmäßig Anfragen, Kinder privat mit Französischunterricht zu unterstützen. Der direkte Kontakt und die Kommunikation mit Menschen, vor allem mit Kindern, fand sie besonders interessant. Sie wünschte sich „jedes Kind da abzuholen, wo es sich mit seinem aktuellen Kenntnisstand befindet – und es in seinem eigenen Rhythmus zu begleiten!“ Durch ihre regelmäßige Teilnahme bei der TAIFU-Kampfkunst-Akademie (auch als Assistentin) konnte sie Kinder anders erleben.

Diese unterschiedlichen Erfahrungen bestärkten Isabelle Masson in ihrer Entscheidung, sich beruflich umzustellen. Sie machte eine Ausbildung und erhielt das „DAEFLE“ (Diplôme d'Aptitude à l'Enseignement du Français Langue Étrangère). DAEFLE ist für alle gedacht, die Französisch als Fremdsprache in Verbänden oder privaten Einrichtungen in Frankreich oder im Ausland unterrichten möchten. Es wurde von der Alliance Française entwickelt und wird auch vom französischen Kultusministerium anerkannt. Isabelle Masson erweiterte anschließend ihr Kursangebot. Zusätzlich zu Einzelstunden gab es nun kleine Unterrichtsgruppen und Konversationsgruppen.

Was hat Isabelle besonders am Anfang vermisst? Und welche Unterschiede sind ihr besonders aufgefallen? „Am Anfang? Die französische Mode! Fast jede Rückkehr nach Frankreich wurde für Shopping benutzt!“ Kleidung, auch für die Töchter, fand sie dort „dekorativer und die Farben fröhlicher“. In Deutschland war dafür der praktische und gemütliche Aspekt in der Mode präsenter. Was für sie zum Problem wurde: Ordentliche Damenschuhe ihrer Größe waren in der Abteilung für Erwachsene selten zu finden. Nach einigen Wintern gab sie auch dem Bedürfnis nach, praktische, warme und geeignete Schuhen zu haben: „Im Winter mit feinen Mokassins oder Escarpins spazieren zu gehen, war wohl nicht das Richtige.“

Unterschiede in der Mentalität, im Verhalten und wie Gespräche geführt und Argumente ausgetauscht werden, nahm Isabelle Masson genauso wahr. Sie gibt an „die Franzosen emotionaler“ zu erleben, dafür „die Deutschen praktischer“. Sie erwähnt im diesem Zusammenhang, dass ihre Familie aus Portugal stammt. Sie war die einzige aus der Familie, die in Frankreich geboren wurde. Sie betont, dass französische Staatsangehörige, die vorhaben, in Deutschland – Schwalbach am Taunus - zu bleiben, freundlich aufgenommen werden.

Sie macht eine Unterscheidung: Die „französischen Expatriés“, die ausschließlich für eine begrenzte Zeit von ihrem Unternehmen nach Deutschland geschickt wurden. Diese zeigten das Bedürfnis, in ihrer „Communauté“ zu bleiben. Dagegen die Franzosen, die unabhängig und auf eigenen Wunsch gezielt einen Arbeitsplatz „local“ (örtlich bezogen) gesucht hatten. Diese brachten eine weit stärkere Motivation mit, sich in der Bevölkerung zu integrieren. Sie gab an, dass die „neue ankommenden Franzosen“ mehr Interesse an der deutsche Kultur zeigten und eher bereit wären, ihre Kinder in die deutsche Schule zu schicken, als die es früher der Fall war.

Und zu den zweiten gehörte Isabelle Masson eindeutig! Sie merkte, dass sie im Lauf der Jahre von den erst genannten Abstand genommen hatte: „Man entwickelt sich – nimmt auf dem Weg etwas von Deutschland, von damals und von sich selbst mit. Man lernt zu akzeptieren, mehrere Leben in einem Leben zu haben – auch manchmal mit Nostalgie!“. Besonders durch TAIFU lernte Isabelle sich selbst besser kennen, wie „einen gewonnenen sechsten Sinn“ sowie lösungsorientiert zu arbeiten „Wir können nur im jetzigen Moment etwas machen!“

Auch Unterschiede in Erziehung und Schulsystem fallen auf: „In Frankreich ist es strenger!“ Und natürlich die Gastronomie! „Mehr Zeit und Ruhe um zu kochen und um die Mahlzeiten zu genießen.“ Zum Abschluss erzählte Isabelle Masson: „Heute sind meine Töchter 22 und 16 Jahre alt. Und ich lebe fast so lange in Deutschland wie in Frankreich! Ich habe Frankreich nicht verloren… ich habe Deutschland dazu gewonnen!“

(Verfasst von Perrine Schoppet, Praktikantin)