Wohnstadt Limes

Die Verwirklichung einer städtebaulichen Idee

Schwalbach-Limesstadt Was ist das Besondere an Schwalbach am Taunus? Es ist die Wohnstadt Limes, erbaut in den 60er Jahren nach der städtebaulichen Idee der "organischen Stadtlandschaft". Danach wirken beispielsweise die folgenden Gestaltungsprinzipien: die Bebauung orientiert sich an der Landschaft, Fußgänger und Radfahrer haben ihre eigenen Wege, die Wohnungen sind nach Südwesten ausgerichtet und Grünflächen schaffen Raum für Natur und Erholung. Grün ist auch die Umgebung mit Europa-Park, Stadtwald, Regionalpark und Kleingärten. Drei Kindergärten, eine Grundschule mit Schulkinderhaus, der Schiffspielplatz, eine Gesamtschule, dazu Jugendzentrum und Seniorenwohnanlage sind vorhanden. Und zum Marktplatz, der die Wohnstadt mit Alt-Schwalbach verbindet, ist es ganz nah: Hier kann man einkaufen, es gibt den beliebtesten Wochenmarkt der Umgebung, dazu Stadtbücherei, Rat- und Bürgerhaus sowie S-Bahnhof.  

Wie alles begann

In den 50er Jahren herrschte Wohnungsnot im Rhein-Main-Gebiet. Schwalbach am Taunus war damals eine Gemeinde mit knapp 4.000 Einwohnern. Nah an Frankfurt am Main gelegen und mit Flächen im Eigentum des Landes Hessen bot sie ideale Voraussetzungen für die Schaffung von modernem Wohnraum. Um ein überzeugendes städtebauliches Konzept für eine Wohnstadt im Grünen zu finden, wurde in Zusammenarbeit mit der Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft Nassauische Heimstätte 1959 ein bundesweiter Architektenwettbewerb ausgelobt. Für 10.000 Menschen sollten 3.000 Wohnungen errichtet werden in einer Mischung von unterschiedlich großen Gebäuden (rund ein Drittel als Einfamilienhäuser) und dazu eine großzügige soziale Infrastruktur. 

Bau der Limesstadt Siegermodell "organische Stadtbaukunst"

Die Jury wählte das Konzept einer "organischen Stadtlandschaft", dessen Verfasser Professor Dr.-Ing. Hans Bernhard Reichow (1899-1974) ein erfahrener Stadtplaner war (Stettin, Dresden, Braunschweig). Mit seiner "organischen Stadtbaukunst" wollte Reichow Stadt und Natur vereinen, unter Berücksichtigung der natürlichen Landschaft sollte eine "stadtlandschaftliche Einheit" entstehen. Dabei orientierte er sich zum Beispiel beim Entwurf von Verkehrsystemen am Geäder natürlicher Organismen und nicht an von der Technik geprägten rechtwinkligen Rastern. Die Wohnstadt insgesamt erinnert an ein grünes Blatt mit dem Mittelweg als Blattrippe. 

Der erste Spatenstich, die ersten Mieter, Stadtrecht

Mit einem Volksfest wurde im Mai 1962 der erste Spatenstich gefeiert, schon im Dezember 1964 konnten die ersten Wohnungen in der Frankenstraße bezogen werden. Der Anfang war nicht leicht, viele Einrichtungen fehlten und die Neubürger wohnten auf einer Großbaustelle. Im September 1965 feierte man das Richtfest für die 1000ste Wohnung und im August 1973 fand das atemberaubende Tempo der Bauarbeiten mit der Einweihung des Rat- und Bürgerhauses seinen vorläufigen Abschluss. Die Erhebung Schwalbachs zur Stadt (mit 13.900 Einwohnern) am 9. Mai 1970 war Höhepunkt einer rasanten Entwicklung, die lediglich gut zehn Jahre gedauert hatte. Und der ursprünglich als Arbeitstitel des Projekts gewählte Name "Wohnstadt Limes" wurde nach Funden aus der Zeit römischer Besiedelung einfach beibehalten.

Die neue Stadtmitte überspannt Limesspange und S-Bahntrasse

Früher als ursprünglich geplant konnte auch die neue S-Bahnlinie S 3 verwirklicht werden. Damit bot sich die Möglichkeit, den durch Limesspange und S-Bahntrasse verursachten Geländeeinschnitt zu überbauen. Die Gestaltung der Stadtmitte - also Marktplatz und Umgebung - wurde durch einen weiteren Architektenwettbewerb entwickelt. In den Geländeeinschnitt wurden rechts und links von Limesspange und S-Bahntrasse drei Ebenen Garagen gebaut, darüber ein öffentliches Parkdeck und der Marktplatz - eine ingenieurtechnische Leistung, die bei der Umgestaltung des S-Bahnhofes Jahrzehnte später noch Anerkennung fand. Die bauliche Verbindung vom Marktplatz nach Alt-Schwalbach wurde seit den 1980er Jahren Abschnitt für Abschnitt verwirklicht.

Ausführlichere Informationen bietet das Faltblatt "Wohnstadt Limes" der Reihe "Schwalbach Profil". Es liegt im Rathaus-Foyer aus.
2011 hat die Stadt Schwalbach am Taunus mit der Wohnstadt Limes am Architektursommer Rhein-Main teilgenommen.